Die Schäffler waren da! - Wunderbar!
17. Januar 2026
Amisiedlung – Bei perfektem Winterwetter, Münchens schönstem Grau und Temperaturen im Keller, traf sich nicht nur die Siedlung am „Dorfplatz“, dem Kinoparkplatz, um dem Schäfflertanz beizuwohnen; es mischten sich auch Menschen aus anderen Teilen der Stadt unter die hunderte von Zuschauern, sogar einige aus Ismaning waren gekommen.
Die Interessengemeinschaft Wohnanlagen am Perlacher Forst und Tegernseer Landstraße e.V., München (IWAP e.V.) lud die Schäffler nach 2019 zum zweiten Mal in die Siedlung ein, und die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Betreiber des Kinos, Herrn Thomas Willhelm, der uns dies ermöglicht hat.
Um 14 Uhr platzte der Platz aus allen Nähten, und die Leute warteten mit Spannung auf die Ankunft der Tänzer, die mit ihrem Reisebus leicht verspätet ankamen und sich durch die Menschenmassen bahnen mussten. Kurz nach der Ankunft erklang der Defiliermarsch, der Fahnenträger setzte sich in Bewegung, und hinter ihm folgten 25 Tänzer inklusive Münchner Kindl. Sie drehten zu den Klängen der zehnköpfigen Kapelle ihre Kreise auf dem Dorfplatz. Die zahlreichen Kinder im Publikum jubelten beim Anblick der zwei Narren und freuten sich sehr, später ihre Nasen geschwärzt zu bekommen – als Zeichen der Pest, des „Schwarzen Todes“.
Ohne die Pest und die findige Idee eines Fasslmachers im Jahr 1517 würden wir heute nicht in den Genuss des Schäfflertanzes kommen. Der Sage nach wütete damals wieder einmal die Pest; die Bewohner der Stadt verschlossen sich in ihren Häusern und warteten, bis die Epidemie vorüberging. Gegen Ende der Plage kam ein Fasslmacher auf die Idee, die Leute mit Musik und Tanz aus den Häusern zu locken, um das Leben in der Stadt wieder in Gang zu bringen. So trommelte er – sein Name wurde leider nicht überliefert – ein paar Leute zusammen, die es wagten, in den Straßen zu tanzen. Seitdem findet dieses fröhliche Spektakel alle sieben Jahre zwischen Dreikönig und Faschingsdienstag statt und dient als Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das ist auch dem IWAP, gerade in dieser schweren Stunde für die Siedlung, sehr wichtig; deshalb wurden die Schäffler erneut eingeladen. Außerdem ist es eine sehr schöne Tradition, die nicht aussterben soll.
Die 25 Tänzer (Vortänzer, Spaßmacher, Fassschlager und Reifenschwinger) durften über Jahrhunderte hinweg nicht berufsfremd, nicht verheiratet und keine Meister sein; sie mussten Gesellen von reinem Leumund sein. Das änderte sich jedoch im Laufe der Zeit, da es immer weniger Fasslmacher gab.
Nach dem Einmarsch folgen diverse Figuren: Die Schlange soll den Lindwurm darstellen, der die Pest über München brachte. Die Laube steht für die Häuser, in denen sich die Menschen einschlossen. Das Kreuz gilt als Symbol des Glaubens. Die Krone symbolisiert das Haus Wittelsbach unter Herzog Wilhelm IV., der den Schäfflern den Sieben-Jahres-Rhythmus erlaubte. Die vier kleinen Kreise, bei denen sich die Tänzer in Gruppen ineinander bewegen, sollen das Sich-Wiederfinden und das aufkeimende Leben nach der Pest darstellen. Beim nachfolgenden Changieren klopfen drei Schäffler in der Mitte auf ein Fass, was die Wiederaufnahme der Arbeit symbolisiert, während die restlichen Tänzer mit ihren Buchsbögen Ausdruck von Lebensfreude vermitteln. Dann stellt sich der Reifenschwinger auf das Fass und schwingt kunstvoll einen Reifen mit einem Glas darin. Am Ende prostet er den Zuschauern zu, leert das Glas und wirft es in die Höhe.
Dazwischen erzählte das Kindl die Entstehungsgeschichte, und einer der Tänzer hielt eine Dankesrede.
Die Veranstaltung war damit noch nicht vorbei: Ein Fass wurde feierlich angeschlagen, und es flossen 100 Liter feinstes Augustiner-Freibier. Ein Dank geht an die Münchner Kindl Brauerei (Familie Sailer), die ihr Gelände auf dem ehemaligen AAFES-Tankstellengelände so traditionsbewusst wiederbelebt hat – ein großartiger Sponsor für unseren Anlass.
Somit erfüllte sich eine weitere Hoffnung der IWAP: die Vernetzung der Menschen. Viele blieben noch lange auf dem Platz, auch nachdem die Schäffler bereits weitergezogen waren.
Danke an die IWAP für die tolle Organisation – wir freuen uns aufs nächste Mal!
Theo Goumas
AAFES = Army & Air Force Exchange Service
Artikel: Theo Goumas; Bilder: Ela, Gero; ✎ 2026-01-28 ludwich











