BR - Abendschau - Der Süden.
Zum Bericht in der ARD-Mediathek (Verfügbar bis bis 13.11.2026 ∙ 18:38 Uhr)
Hallo an diesem Mittwoch. München platzt aus allen Nähten. Mehr als 2 Millionen Einwohner soll die Landeshauptstadt bis 2030 haben. Und damit wird günstiger Wohnraum wohl noch rarer. In der sogenannten Ami-Siedlung am Perlacher Forst, wo bis Anfang der 90er Jahre amerikanische Soldaten stationiert waren, will der Bund 1.000 neue Wohnungen bauen. Müsste doch eigentlich jeder gut finden. Aber falsch gedacht. Anwohner, Politik, Umwelt- und Interessenverbände streiten jetzt darüber, ob und wie die Pläne umgesetzt werden sollen.
Der Eingang zur sogenannten Amisiedlung am Perlacher Forst. Bis in die 90er standen hier noch Kontrollposten. Als die Soldaten abzogen, übernahm die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben kurz BImA das Areal. Aus den Soldatenunterkünften wurden Wohnungen für die Münchner. Weil die Siedlung viele Grünflächen hat, will die BImA hier nachverdichten. 1.000 zusätzliche Wohnungen sollen entstehen. Favorisiert wird ein Architektenmodell mit großen Wohnhöfen nach amerikanischem Vorbild. Die hätten allerdings bis zu 7 Etagen, statt der hier bisher üblichen Drei-Stockwerke. Das ruft viele Gegner auf den Plan. Alois Schwarzhuber ist Vorsitzender der örtlichen Bürgerinitiative. Er befürchtet eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität im Viertel. "Das gesamte Block hier würde wegkommen. Der ist jetzt 15 Meter hoch. Da würde ungefähr fast dreimal so hoch werden. 6 bis 7 Stockwerke. Und im Karree dann 80 mal 80 Meter richtig hier einmal geschlossene Hofstruktur. So dass wir hier eigentlich die Situation haben, dass wir hier Lebensqualität verlieren. Weil der Wohnblock eine völlig andere Struktur bringt in diese ganze Wohnanlage, als wir hier jetzt im Moment haben." Schwarzhuber wohnt seit 30 Jahren in der Amisiedlung. Besonders gut gefällt ihm, dass es hier viele Bäume gibt. Direkt vor der Haustür hat er das Gefühl, in einem Park zu sein. Zumindest Teile des Baumbestandes müssten aber für die neuen Wohnungen weichen. "Wenn wir das jetzt hier draufgehen sehen, dann ist es im Prinzip eigentlich, muss man sich fragen, wo der Klimaschutz eigentlich anfängt und wo aufhört." Auf der anderen Seite braucht die Stadt dringend günstigen Wohnraum. Und genau den stellt die BImA in Aussicht. Die Bundesbehörde verspricht für Münchner Verhältnisse extrem niedrige Mietpreise, wie sie auf Abendschau-Anfrage bestätigt. Zitat: "Die BImA orientiert sich am unteren Rand der ortsüblichen Miete. Die Mieten sind derzeit gemäß dem Haushaltsvermerk des Deutschen Bundestages auf in der Regel 10 Euro netto kalt, pro Quadratmeter begrenzt." Deshalb hat der Stadtrat in einem sogenannten Aufstellungsbeschluss den Wohnungsbauplänen zugestimmt. "Das grundsätzlich, die Münchnerinnen und Münchner, natürlich alle sagen, wir brauchen mehr Wohnungen. Das schreiben die mir auch, das wird auch in jedem Bürger-Dialog klar. Nur dann, wenn diese Wohnungen in ihrer Nachbarschaft entstehen sollen, gibt es immer viele Gründe, warum es genau da nicht funktionieren sollte. Also ich kann nur begrüßen, wenn die BImA hier 1000 Wohnungen baut." Die Opposition sieht das etwas anders. Die ÖDP etwa verteilt derzeit Flyer, in denen sie gegen den Aufstellungsbeschluss zur Nachverdichtung argumentiert. "Wir meinen, dass man verträglicher hier Wohnungen schaffen kann. Da ließen sich ja sicherlich Stockwerke aufstocken, vielleicht mit Leichtbauweise auf die bestehenden Wohnungen. Wir wollen keinen Abbruch, deswegen einfach eine andere Nachverdichtung, eine behutsame, die den Charakter dieser Siedlung erhält." Auch Alois Schwarzhuber will sich weiter für eine behutsame Nachverdichtung einsetzen. Jede Seite kämpft für ihre Sicht der Dinge. Ende November will die BImA in großen Bürgerveranstaltungen für ihre Pläne werben.
⌨ ludwich